Termine

makebelieve. an analysis of illusion

Für die Saison 2017/18 wurden Projekte gesucht, welche die Grenzen unserer Wahrnehmungsebenen verschwimmen lassen. Mittels „analysis of illusion“ sind die Ausführenden aufgefordert, dem Publikum ein Phänomen erfahrbar zu machen, welches unseren gesamten Alltag bestimmt ohne jemals selbst bemerkt zu werden: der Glaube an die eigene Wahrnehmung.

Das Kuratoren-Team der Neuen Musik St.Ruprecht hat Projekte zusammengefasst, welche interdisziplinär arbeiten und dem Publikum somit neue Möglichkeiten der Wahrnehmung eröffnen können.

 


 

24. Juni 2018 – Shepard & Ar – DOPPELKONZERT

Eine elektroakustische Sprachforschungskomposition.

Die Shepard-skala ist ein psychoakustisches Experiment des Psychologen Roger Shepard, bei dem die Illusion einer unendlich ansteigenden oder abfallenden Tonleiter kreiert wird.

Dieses Phänomen wird in dem elektroakustischen Stück ” A shepherd´s Tale” auf eine rhetorische, literarische und sprachliche Ebene übersetzt.

Ist die Shepard-Skala eine gebräuchliche Tonleiter auf der Klaviatur der politischen Rhetorik?

Konzept & Komposition: Christine Schörkhuber

Text: Kurto Wendt, Christine Schörkhuber

Stimme: Simon Dietersdorfer

 

Ar

Ar ist ein Akkordeon-Duo welches sich ausschließlich der zeitgenössischen Musik widmet. Das Duo ist bekannt für seine warmherzige Interpretation, die enge Zusammenarbeit mit Komponisten und seine stet Suche nach neuen Ressourcen und Ausdrucksformen. Die beiden Mitglieder, Mirko Jevtović und Maria Mogas Gensana, trafen sich während ihres Studiums beim Klangforum Wien im Programm Aufführungspraxis in der zeitgenössischen Musik unter der Leitung von Krassimir Sterev.

Über Whose song für Solo-Akkordeon

“Ich war überrascht über das Klangpotential, das in diesem Instrument verborgen war, welches von vielen mit alpenländischer Folklore abgestempelt wird.
Ich fühlte mich von spezifischen Klangphänomenen angezogen, die anderen Instrumenten nicht vertraut sind oder die sich dort völlig unterscheiden.

Also habe ich 3 charakteristische Spielweisen gewählt und versucht, sie in drei Sätzen konsequent abzuleiten:
1) Polyphones Spiel in einer engen Position, in der sich die Stimmen ständig bewegen und verflechten;
2) Glissando spielen, eine Technik, die auf diesem Instrument einzigartig ist,
3) “Belows schütteln”, Balg schütteln Tremolo.
Die Implementierungskomplexität bewegt sich oft an der Grenze des Spielbaren, was wie eine Art Nebenprodukt ist, während die klangphänomenologische Konsistenz des Materials erreicht wird “.

Über Accordioca für Akkordeon solo

Pour into the deepest essence of sound. Restrict yourself to the most urgent. Stagger the sound with silence, transform the silence into sound in fine subsequent permutated fragments. Find the balance between accumulation of selected frequencies (excitation of tones) and systematic layering of the sound mass.

By rhythmically dropping the keys (tone raises),  plot an “imaginary” melody line as a complementary mirror to the tonic tissue generated by tones. Captured “discipline” of perfect peace. Treat each single tone as the quintessence of a “pure” sound cosmos”.

 

Über EnCounters für zwei Akkordeons

“Begegnung – mit wem? Vor allem mit dir selbst. Das Stück berührt seine eigene Identifikation (imaginär in der anderen, spiegelähnlich), nach dem Vorbild des französischen Psychoanalytiker des 20. Jahrhunderts Jacques Lacan.
Die Selbsterkenntnis wird durch die Kommunikation mit einer realen Person, die einen imaginären Ort einnimmt, geprägt. Und es gibt einen Treffpunkt für Begegnungen aller Art … für virtuelle, frivole und reale Begegnungen “.

 

Mirko Jevtovic & Maria Mogas Gensana – Akkordeon

 


 

 

 

Vergangene Konzerte:

 

10. September 2017 – WOMEN of SUBSTANCE

a Duo for Bassoon and Bassclarinet / Tenor Saxophone / Painter

Für das Eröffnungskonzert dieser interdisziplinären Saison treffen Malerei, Musik, Literatur und Improvisation aufeinander. Elisabeth Kelvin wird eine liegende, 1×2 Meter große Leinwand bemalen während Lorelei Dowling im entstehenden Gemälde spielen wird. Das Geschehen wird aus der Vogelperspektive in den Raum projiziert und somit aus mehreren Perspektiven gleichzeitig wahrnehmbar.

Zu Malerei, Musik und Performance gesellt sich die Literatur von Jorge Luis Borges und all dies wird mit der Musik des Renaissance-Komponisten Michelangelo Falvetti kollidieren – wir sind gespannt!

Lorelei Dowling – Bassoon

Elisabeth Kelvin – Bassclarinet / Tenor Saxophone / Painter

 


 

08. Oktober 2017 – chymische Hochzeit 

Die chymische Hochzeit stellt die Vereinigung von männlich und weiblich in einer Person dar. Der Versuch der Alchemisten, dadurch die Antwort im Kern zu finden, alles mit allem in Verbindung zu setzen und so zur Lösung zu gelangen wird bei diesem Projekt durch Musik, Tanz und Bild dargestellt. Der Wunsch durch die Analyse der Illusion zur Einheit und zum Ursprung zu gelangen ist ein Motor des Glaubens; daher der sakrale Raum.

Bei der Performance “chymische Hochzeit” (die Thematik wurde bereits in Gottfried von Einems Oper „Jesu Hochzeit“ vortrefflich verarbeitet) atmet, lauscht, sieht und fühlt das Publikum im Körper des Ensembles mit bis es die ungemütlichen Kirchenbänke vergessen hat. Denn an diesem Abend wird die Kirche mit ihrer sakralen Atmosphäre und ihrem Raumklang zum Ensemblemitglied.

Das Ensemble wird die meditative Stimmung und die wunderbare Raumakustik des sakralen Raumes nutzen, der Raum selbst wird als fünftes Ensemblemitglied behutsam begrüßt und rein akustisch bedient.

STRINQUANTET:

Simon Frick – Violine

Judith Reiter – Viola

Maria Frodl – Violoncello

Thomas Stempkowski – Kontrabass

Gast: Andrea Nagl – Tanz-Performance

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05. November 2017 – floating stones

Auf ein rotierendes Arrangement von Papierobjekten (Steine im Maßstab 1:10 vergrößert) werden in steter Überblendung Fotos von Steinoberflächen projiziert.

Dazu wird ein Scheit gespielt – ein einsaitiges Instrument mit verschiebbarem Tonabnehmer und mechanischen Filtern mit einer Fülle an spektralen Variationen.

Ergänzt wird das Scheit durch ein computergeneriertes Saitenmodell (Programmierung: Günther Rabl), um eine Erweiterung in ansonsten unmögliche Spektren zu ermöglichen.

„langsame, gleichbleibende Rotation der Papierobjekte / unverändertes Tempo der Überblendungen / mannigfache metrische und rhythmische Überlagerungen /  stete Wahrnehmungsbeeinflussung durch Farbigkeit und Muster (Sprenkelung) der Steine sowie Farbigkeiten des Saitenspektrums“

Hannes Ludescher

Martin Gut

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18. März 2018 – Slices of Life

Slices of Life für Violine, Elektronik und Video (2016-17)

Slices of Life (2015/16) ist ein Kunstwerk, das Barbara Lüneburg im Rahmen des künstlerischen Forschungspro-jektes TransCoding | What if unter Einbezug einer Online-Community kreierte. Das Thema ist “Identität” und die vielen Facetten, die Identität im Leben annehmen kann. Die Forschungsfrage war, ob Menschen über Social media dazu angeregt werden können, zur Entstehung eines Multimediakunstwerkes aktiv beizutragen, und was das mit der Kunst, der Künstlerin und den Communitymitgliedern macht. Bild, Text und Sprachmaterial für die Show rührt zum großen Teil von der Beiträgen der Community von what-ifblog.net, die über Calls for Entry dazu animiert wurde, für sich selbst und für What if kreativ zu werden. So heteregon wie die Mitglieder aus 130 Ländern sind die “Slices of Life”, die erzählt werden.

Video, Komposition und Violine:

Barbara Lüneburg

 

STEINA für Violine und live-geneirete Elektronik, Video und Lasergraphik

von Marko Ciciliani (2015)

In STEINA verwendet Marko Ciciliani unterschiedliche Medien: eine Violine, elektronische Klanggenerierung, Video und Laser. Letzteres ist ein Medium, das meist als Spektakel verwendet wird. In Steina – der Titel bezieht sich übrigens auf die Violinistin und Pionierin der frühen Videokunst Steina Vasulka – wird es in einer subtileren Weise, eher als eine Art live-generierter Zeichnung, verwendet. Was Ciciliani an Laser fasziniert ist, dass es eine beinahe schon körperliche Qualität hat. Selbst wenn es nur zweidimensional auf eine Wand projiziert wird, erweckt es oft den Drang, es anfassen zu wollen.
Davon ausgehend, hat Ciciliani auch in den anderen Medien Varianten der Körperlichkeit thematisiert. In der Stimme der Violine wird diese in manchen extremen Spieltechniken spürbar, wie extrem hohen Lagen, oder scharf angerissenen extrem kurzen Noten. Jenseits des schönen Tons – der als wiederum zeichnendes Element im Stück auch eine sehr prominente Rolle spielt – ist hier die Materialität und Körperlichkeit des Instruments besonders deutlich zu spüren. Die Rauigkeit und Brüchigkeit des Klangs, die dabei entsteht, findet sich auch in der Synthese wieder, in der verschiedene chaotische Oszillatoren (Lorenz ‘strange Attractor’ Funktion und Gingerbreadman map) zum Einsatz kommen, die in sich zu Instabilität neigen.
Das Video hat wiederum einen eher gemäldeartigen Charakter. Durch eine Fläche fressen sich unregelmässige Linien. Sowohl beim Video, als auch beim Laser dient aber auch der Körper der Violinistin als Vorlage – beim Video für die Gestaltung der genannten Linien und beim Video in Form von Konturen, die während der Aufführung über eine Kamera eingelesen werden.

Es wurde nicht nach einer homogenen Verschmelzung der unterschiedlichen Medien gesucht. Auch wenn sie alle um die gleichen Interessen kreisen, bleiben sie autonom und reiben sich zuweilen auch aneinander. Sie wirken aber auch als ein Ensemble, das den Raum strukturiert, in dem die Violinistin verschiedene Positionen einnimmt.

Marko Ciciliani, PhD

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15. April 2018 – Disputable divas

Drei Frauen, drei Stimmen, fünf KomponistInnen aus mehreren Generationen treten in einen imaginären Dialog rund um die Frage: was ist die menschliche Stimme, was bedeutet Singen und Sängerin-sein im Kontext der zeitgenössischen Musik? Dieses Konzertprogramm vereint Kommentare und Kompositionen aus mehreren Jahrzehnten zu einem manchmal widersprüchlichen und konflikthaften, manchmal nachdenklichen und ironischen Panorama rund um die „Diven“ der Avantgarde. Cathy Berberian erlangte als Vokalpionierin und Co-Creatorin von Luciano Berio Berühmtheit und begründete mit der „New Vocality“ eine neue Stimmästhetik. Ihre Zeitgenossin Joan la Barbara erhielt wesentliche Impulse aus der Arbeit in der amerikanischen Experimentalmusikszene im Umgang mit John Cage, Morton Feldman und Steve Reich. Auch Pauline Oliveros, Komponistin und Multi-Instrumentalistin, entstammt diesem Umfeld, aber entwickelte mit ihrer Methode des „deep listening“ einen völlig anderen Zugang zum intuitiven Umgang mit Stimmen, Instrumenten und Klängen.

Ausgangspunkt dieses Projekts war eine Hommage an Joan la Barbara, die 2017 ihren 70. Geburtstag feierte. Auf Initiative der Sängerin Claudia Cervenca entstanden eine Reihe von Neukompositionen, die sich mit Stimmqualitäten zwischen Improvisation, Komposition und Experiment beschäftigen. Am Anfang erklingt Cathy Berberians Stimme in Luciano Berios Tema – Omaggio a Joyce. Während sich Pia Palmes three noises auf Morton Feldmans Three voices for Joan la Barbara bezieht, schöpft Elisabeth Harnik in ihrem Stück hollow ear aus ihrem intensiven Studium des „deep listening“ mit Pauline Oliveros. Ebenfalls ins Herz der Stille zielt Lorenzo Troianis l’abisso intorno, das die Bassklarinette zum Sprechen und Singen bringt. Als Abschluss und Ausblick erklingt Katharina Klements route retour, das in enger Zusammenarbeit mit der Solistin dieses Abends, Annette Schönmüller, entstand.

 

Programm:

Cathy Berberian: „I don’t sound like a singer“

Luciano Berio – Tema – Omaggio a Joyce für Tonband (1958-59)

Cathy Berberian: „What is the new Vocality?“

Pia Palme – three noises für Stimme und Tonband (2017)

Joan la Barbara: „About extended vocal techniques“ & „Encounter with Cathy Berberian“

Elisabeth Harnik – hollow ear für Stimme, Klarinette und Kontrabass (2017)

Pauline Oliveros: „How I learnt to listen“

Lorenzo Troiani – l’abisso intorno (für Bassklarinette solo UA)

Joan la Barbara: „ My first encounter with John Cage“

Katharina Klement – route retour für Stimme solo (2011)

 

Ensemble Schallfeld

Solistin: Annette Schönmüller, Stimme

Szilard Benes – Klarinette/Bassklarinette

Davide Gagliardi, Elektronik / Klangregie

Nikolaus Feinig, Kontrabass

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06. May 2018 – Dieb13 + Dialogue #002 (Doppelkonzert!)

ACHTUNG: “IN LUDUS” von Elena Gighas musste aus gesundheitlichen Gründen verschoben werden.

Wir freuen uns einen nicht nur würdigen, sondern großartigen Ersatz präsentieren zu dürfen:

Dieb13 – Turntables

Der umtriebige Wiener Improvisator, Sound- & Performance-Künstler und Knotenpunkt des Neue Musik-Netzwerks in Wien – Dieb13 – gibt uns die Ehre die zweite Hälfte dieses Abends mit seinen Turntables zu gestalten.

Dieb13 – Turntables

Dialogue #002
Im Mittelpunkt des Dialogs # 002 steht die Vorstellung von Tanz und Musik als Sprachen.

Dialogue #002 Will die Verkörperung der Interaktionen sein, die zwischen Tanz und Musik auftreten können, indem sie die jeweiligen (choreografischen und musikalen) Improvisations-Toolboxen erforschen. Es will sichtbar machen, wie die beiden Kunstformen in Kontakt kommen, um ein Ganzes zu produzieren. Ein Dialog ist ein Austausch zwischen zwei Parteien. Beide können als separate Entitäten existieren, aber aus der Interaktion miteinander gewinnen. So muss ein Dialog nicht rein und ausschließlich auf Sprache bezogen sein, sondern auch in einer breiteren Sicht als interdisziplinäre (und transpersonale) Praxis betrachtet werden. Als eine Partei aktiv auf die andere hört, entsteht Bewegung oder Musik als Antwort darauf. Der Fokus der Aufführung ist diese Aufmerksamkeit auf das, was der andere ausdrückt.

Katja Vaghi – Tanz

Christian Wolfarth – Perkussion