Termine

endlich.

Für Konzert-Saison 2019/20 wurden Projekte gesucht, welche in einem oder mehreren Aspekten „endlich“ sind bzw. sich mit dem Thema „Endlichkeit“ beschäftigen. Das Ende einer langen Wartezeit, die Ungeduld, schließlich, am Ende – Raum und Zeit von einem Wort Be-Grenzt. Die Endlichkeit zeigt sich stets am Rande, an der Grenze – ein Ort voller Spannung – dort gilt es hinzusehen.


 

15. September 2019 -Chimère bleue /Aude Rrose und WoO 

Audiovisuelle elektroakustische Performance

Chimère bleue ist eine experimentelle audio-visuelle Performance, die den Betrachter in einen schwebenden Raum zwischen Traum und Wirklichkeit eintauchen lässt. Die Projektionen entstehen auf einer blauen foto-aktiven Glasplatte, die mit alten Drucktechniken und verschiedenen Schattenkompositionen unter Verwendung von Overhead- und Diaprojektoren erstellt werden. Die Klanglandschaft besteht aus Streichinstrumenten, Zither, Gitarre und DIY-Harfe und versetzt das Publikum in einen Klangraum, der von westlichen Filmen inspiriert ist. Die beiden Performer kreieren eine immersive Improvisation, in der die Töne und Bilder in einer synästhetischen Korrespondenz interagieren.

http://aude-f.com/ 

http://www.belgradenoise.net


 

06. Oktober 2019 – Jour, contre-jour / Büro Lunaire

Ohne Anfang noch wirklichem Ende: Der Titel des Programmes „Jour, contre-jour“ bezieht sich auf die gleichnamige Komposition von Gérard Grisey. 

„Als geheime Echos vom unvergesslichen Lesen im Totenbuch“ ist Jour, Contre-jour aus seiner Bewunderung für das alte Ägypten entstanden.

büro lunaire hat ein Programm konzipiert, das Werke der Komponisten Gérard Grisey, Hannes Kerschbaumer, Luigi Nono, Rebecca Saunders und Reinhold Schinwald in Beziehung zueinander setzt, die – inspiriert von Literatur, Philosophie und altägyptischer Mythologie – um Tod und Auferstehung, Freundschaft, Erinnerung und Sprachfndung kreisen und Bilder oder Landschaften imaginieren. So spricht Hannes Kerschbaumer in seiner „Studie über das Entschwinden“ von zersprengten Worten, die sich wie Asche von glimmenden Kohlen lösen und die Landschaft bedecken. Reinhold Schinwalds membra disiecta läßt sich mit zerstreute oder zerrissene Glieder übersetzen und bezeichnet aus ihrer organischen Ordnung gerissene Teile eines Ganzen. Der dem Stück zugrunde liegende Text basiert auf den Mythen um Isis und Osiris und beschreibt einen Prozess des Erinnerns, Suchens, Aufesens und Benennens von Körperfragmenten mit der Funktion, die zerstreut vorgestellten Gliedmaßen in einem Text zu versammeln, der sie als neue Einheit beschreibt. 

pastedGraphic.pngHannes Kerschbaumer
hauch.asche (2017)
für Stimme, Bassföte und resonierende Oberfächen 

Gérard Grisey
Anubis (1983)
für Kontrabassklarinette 

Reinhold Schinwald
membra disiecta (2016/2017)
für Stimme, Kontrabassklarinette und Live Elektronik 

Gérard Grisey – Nout (1983)
für Kontrabassklarinette 

Rebecca Saunders – fury (2005)
für Kontrabass 

Luigi Nono – A Pierre. Dell’azzurro silenzio, inquietum (1985)
für Kontrabassbassföte, Kontrabassklarinette und Live Elektronik 

 

Konzept – büro lunaire 

Flöten – Maruta Staravoitava
Klarinetten – Theo Nabicht
Stimme – Gina Mattiello
Kontrabass – Margarethe Maierhofer-Lischka 

Klangregie, Elektronik – Reinhold Schinwald 

Elektronik&Tontechnik – Peter Venus

www.burolunaire.com


 

10. November 2019 – Thomas Stempkowski / WIEN MODERN

Der Sonnenton (126,22 Hertz) mit all seinen Ober- und Untertönen .

Der Bass, in offener Stimmung, wird nur auf einer Saite gestrichen. Dennoch erklingen Obertöne gemeinsam mit dem Grundton und sie beginnen, wie bei Obertonsängern, im Raum zu schweben. Parallel zum Grundton entstehen erst die Quint, dann die Terz und schließlich die kleine Septime – also Polyphonie mit nur einem Strich. Dann wird die Saite an der Bogenkontaktstelle plötzlich „gedeckelt“ und verhält sich wie eine geschlossene Pfeife. Es erklingt ein Ton, der eine kleine None unter dem Grundton der Saite selbst schwingt. Die so genannten Subharmonics werden präsent… 

Die Physik wird scheinbar ausgetrickst, auf den Zuhörer wirkt dieses Phänomen wie Magie. Der Bass wird dadurch in ein neues Licht gerückt. Er erklingt wie ein Oktobass, der bis in die Subkontraoktave reicht, und das sogar im dynamischem Spiel. Die Endlichkeit des Instrumentes wird beinahe ins Unendliche ausgedehnt. 

Das Instrument wird auf den Kammerton a ́= 450 Hertz gestimmt.Daraus ergibt sich eine leere Saite mit der exakten Schwingung von 126,22 Hertz, welche dem Sonnenton gleichkommt. (Frequenz des Sonnentons nach dem System von Hans Cousto „Farbton Tonfarbe und die kosmische Oktave“) Durch die scheinbare Monotonie, die in ihren kleinen Veränderungen aber wie ein ganzes Orchester an Bässen erklingt, wird die Hörerschaft hypnotisiert. Kontemplation und Stille des sakralen Ortes erleichtern dem Publikum das Erkennen der Nuancen. 

Thomas Stempkowski – Kontrabass

www.thomas-stempkowski.com


 

29. März 2020 – lapse / Drøøm

Drøøm (Clemens Hausch & Benjamin Tomasi) untersuchen in dem Projekt lapse für die Kirche St. Ruprecht die räumliche Beschaffenheit, deren Ausdehnung und Endlichkeit in einem akustischen und visuellen Transformationsprozess. Mittels Impulsen wird der Raum vermessen und die Zeit in Segmente geteilt. In den Spannungsräumen zwischen den einzelnen Impulsen tritt die Architektur in den Vordergrund. Das Verklingen des Raumes – verstanden als sinnlich erfassbare Vergangenheit – ist Hauptakteur der Klangchoreographie. 

So wie das Licht Teile des Körpers der Kirche visuell beleuchtet, so „beleuchtet“ der Impuls diese auf akustische Art und Weise. Die „aurale Architektur“ der Kirche wird hörbar. (Vgl. Blesser, Salter: Spaces Speak, 2006) Diese Koppelung aus Ton, Licht und Direktionalität erzeugt bei den Besucher_innen sehr vollständige und körperliche Eindrücke und erwirkt eine „sensorische Gewissheit“.

Clemens Hausch (Elektronik) 

Benjamin Tomasi (Elektronik) 

www.clemenshausch.com


 

26. April 2020 – Doña Sebastiana_Für Vitalis /Angelica Castello

Der heilige Vitalis ist ein Treuer Begleiter gewesen während sehr wichtiger Jahre meines Lebens, als ich die Reihe Neue Musik in St.Ruprecht gegründet und über 13 Jahre betreut habe, er war immer dabei, teilweise wurde er auch in die Musik oder Inszenierungen hinein bezogen. Ein guter Alter Freund.

Santa Muerte („heiliger Tod“), auch La Santísima Muerte („der allerheiligste Tod“); Doña Sebastiana, ist eine weibliche Figur, die vor allem in Mittel- und Lateinamerika um Liebe, Glück, Schutz, Gesundheit oder die Wiedererlangung verlorener Dinge angerufen wird. La Santa Muerte wird vor allem in Mexiko, Kuba und in US-amerikanischen Städten mit hohem Anteil lateinamerikanischer, vor allem mexikanischstämmiger Einwohner angerufen. Ihre Anhängerschaft setzt sich aus Angehörigen aller Gesellschaftsschichten zusammen, findet sich jedoch traditionell im Kriminellenmilieu.

Dieser Abend ist dem Heiligen Vitalis gewidmet… und allen anderen Toten. Die Flöten fauchen und verschlingen sich in die Tapes der Tonbandmaschine, field recordings von alten verschwundenen Stimmen, Beerdigungen, und Geister-Blaskapellen umarmen den Raum und die Klänge möchten Vitalis einladen, einen Toten(liebes)tanz mit Doña Sebastiana zu tanzen.

Angélica Castelló – Paetzold, tapes, radios, electronics, häkeln, Installation Jérôme Noetinger – Revox, radio, tapes, electronics

Jérôme Noetinger – Die Totenbandmaschine (2018)

Angélica Castelló – Catorce reflexiones sobre el fin / Fourteen reflections on the end (2018)

http://castello.klingt.org


 

10. Mai 2020 – ENDLICH FREI! / Fie Schouten

Zwei MusikerInnen treffen sich auf der Bühne um Kompositionen und Improvisationen zu spielen, aber auch um einander zuzuhören. ENDLICH FREI zelebriert die Freiheit innerhalb und ausserhalb der Komposition und zeigt die Grenzen innerhalb und ausserhalb der Improvisation.

Kontrabass solo: 

Helmut Lachenmann – Toccatina

Georges Aperghis (1945) – Obstinate

Rebecca Saunders (1967) – Fury 

 

(Contra) Bassklarinette solo: 

Petra Stump-Linshalm – from Uisge Beatha (A Guide to Flavours) (2015)

Rozalie Hirs – Article 7 (2012)

Unsuk Chin – Advice from a Caterpillar 

 

Kontrabass & Bassklarinette 

Frederik Neyrinck – 4 Fragments (2018)

 

Fie Schouten – Tiefe Klarinetten

Florentin Ginot – Kontrabass

www.fieschouten.nl

www.bassclarinet.nl


 

Juni 2020 – SCHAUM / Klaus Haidl

Schaum entspricht seinem Zustand, ein amorphes Konstrukt, welches Leer an Inhalt, im steten Wandel durch die Umwelt, in dieser entsteht, sich bewegt, sie belegt und umschließt sie dabei reflektiert und verdeckt. 

Die Gruppe Schaum improvisiert paradigmenfrei von atonal bis harmonisch, kreativ und reaktiv. Die akustischen Signale der Instrumente werden dabei live abgenommen, elektronisch verändert und anschließend den Musikern zurückgegeben, welche ihr Spiel an die neue Qualität ihrer Klänge anpassen. 

So definieren die nicht einsichtigen, sich ständig austauschenden Spannungesverhältnisse der Sphären innerhalb, das endgültige Erscheinungsbild für den Betrachter – Schaum 

Klaus Haidl – Guitar/Effects/Noise
Laura Pudelek – Cello/Effects
Katharina Ernst – Drums/Percussions
Florian Höfinger – Live Electronics/Live Samples/Technik